grau und hell.

Sie sitzt auf dem Fahrrad, der Wind von rechts und von links und vor allem von vorne und schiebt sie über die Wurzeln, die durch den Asphalt wachsen wollen und die zu schlecht aufgepumpten Reifen wie kleine Sprungschanzen auf den Boden schlagen lassen. Es ist glitschig, kurz nach dem Regen und fast schon vor dem nächsten Regen, nasse braune Blätter in den Ritzen und da, wo sie von den Autos hingeschleudert werden, die mit Karacho die Straße stadtauswärts düsen, durch die Dämmerung, auf dem Weg zu den Kürbissuppen und wärmenden Schnäpsen oder den Schreibtischen in Jogginghosen.

Zum ersten Mal seit vielen Monaten merkt sie, wie Luft in den Körper kommt, hineingedrückt wird durch das Anstrampeln gegen den Wind und die nasse Straße, die Anstrengung beim Umfahren der Wurzelhügel und gleichzeitig untendurch ducken durch die Kraft, die entgegenkommt.

Und dabei lachen wollen, weil es so ist, wie es sich anfühlt, diese Luft, kühl und frisch und wie neu aus der Verpackung gerissen, nicht schon lang im Kühlregal, sondern frisch vom Hersteller, frisch vom Bauernhof, Frischei, frisch aus dem Hühn, nicht aus der Kühlung. Unangefasst.

Sie wird erinnert an die wenige Zeit in Köln zum Aneinanderhalten, an die Spaziergänge durch die grauen nassen Straßen, dieses wunderschöne grau, dieser Wind und die Zellophan-Luft, die Kuchenstücke in den warmen Polstern und dann aufwachen in dem Zimmer, dessen eine Wand nur aus Vorhang besteht. Dann rennen, die Straße entlang, mit Wind von vorne, rechts, links, nasse Blätter auf dem Asphalt, die Wärme in seinen Händen und hinter den Bäumen steht die Sonne am Himmel kurz vor dem Dunkelwerden zur Nacht, kurz bevor der Regen graue Fäden in die Luft macht.

Und der erste Schnee am 1. November 2006, über dem Feld, auf dem die Kühe standen, als sie dorthin kam, an die Hügel mit den Häusern am See, mit dem klapprigen Rad über die Wurzeln durch den Wald, früh morgens, im Winter, wenn das Licht erst spät kommt, mit dem Regenumhang, dem roten mit den Sichtfenstern rechts und links auf der Seite, in der Kapuze, die immer zu wenig war. Und der Bus, im dunklen, an der grusligen Straße stadtauswärts, am Wald, schiefe Baumstämme wie lange Beine der Kindheits-Riesen vor der Haustüre mit den Glasscheiben.

Die Oberschenkel sind klamm, die Knöchel in den halbhohen Schuhen, erst im Innenraum, die Wangen rot, die Knöchel an den Händen, und diese Luft von innen, ausgepustet in den Kegel der Lampe, durch die milchigen Gläser der Brille, beschlagen in der Wärme, wie das was der Wasserkocher auslässt, wenn er das Wasser kocht. Als ob etwas gefehlt hat in der letzten Zeit, nicht nur diese Luft, auch diese Wärme, die erst kommt wenn genug Kälte da war.

Es wird ein seltener Herbst, diese wenige Zeit zwischen heiß und kalt, bevor die Luft nach ausgepusteten Kerzen riecht, bevor das grau zu viel wird, so lange die Bäume noch nicht ganz durchsichtig sind, die Menschen nicht über die Wege schlittern, die Füße hoch heben und Spass daran haben, wieder die wolligen Sachen über zu ziehen und darüber Regenhäute (winddicht). Noch einmal schnell die letzten Strahlen finden, bevor Schnüre am Himmel erscheinen, die Nase kräuseln in den Himmel, die Fesseln mit Luft, an Armen und Beinen. Jackentaschen.

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Ein Gedanke zu „grau und hell.

  1. […] der mit vielen kleinen Kratern verziert seinen Rand mir als Leitweg gab. Ich habe mich erinnert, auch letztes Jahr diesen ersten herbstlichen Sturm-Regen so toll gefunden zu haben. Und ich hatte es […]

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