Reisen in Kolumbien: über das Reisen und Bogotá

Reisen

Es gibt verschiedene Urlaubs-Typen. Menschen, die unter Palmen im weißen Sand braten, solche, die die höchsten Berge der Welt beklettern, Menschen, die finden, dass es zu Hause am schönsten ist oder die, die endlich mal ganz weit weg wollen, und solche, die endlich mal alles erledigen können, das schon so lange auf der Strecke geblieben ist.

Wir wollen das alles: Palmen, Sand, Berge, weit weg, zu Hause sein und das Liegen gebliebene erledigen: das Abschalten, Ruhe finden, zum Staunen kommen. Wir haben uns dafür entschieden, knappe vier Wochen durch Kolumbien zu reisen.

Ich wusste es auch nicht: Kolumbien liegt am linken oberen Zipfel von Südamerika, da wo Mittelamerika andockt. Der Äquator und die Anden durchschneiden Kolumbien und es gibt zwei Ozean-Küsten: Eine zum Pazifik und eine zur Karibik. Bis vor 10 Jahren war Kolumbien ein gefährliches Pflaster, das vor allem von Drogengeschäften und Bürgerkriegen dominiert wurde und die Kolumbianer mieden die Landwege, die sich in den meisten Fällen irgendwie über etwas Gebirgiges schlängeln und legten Strecken zwischen den Städten mit dem Flugzeug zurück.

Seit ein paar Jahren geht es steil aufwärts: Sozial-, Bau-, öko- und andere Förderprogramme helfen dem Land aus dem Sumpf. Es wird gebaut und ausgebaut, gesichert, Tunnel werden gegraben und Brücken gebaut.

Das nervige am Reisen ist das Reisen. Nach 12 Stunden, eingeklemmt zwischen zwei Flugzeugsitzen, mit Magenschmerzen von einem Essen aus dem Alucontainer, von 1000 Stundenkilometern über den Wolken, die immer da sind, die immer hell sind, obwohl die Uhr schon nach Mitternacht Münchner Zeit anzeigt. Der ganze Körper ist komisch, so schlapp und gleichzeitig wach, wie nach dem toten Punkt, wie beim nach Sonnenaufgang auf die helle Straße stolpernd, mit dem Vermögen gleichzeitig auf der Stelle einzuschlafen, aber auch noch stundenlang die Sonne ansehen zu können.

Bogota

In Bogota regnet es. Die Ankunftshalle des Flughafens ist mehr Baracke als Halle, draußen ist es Bindfäden-dunkelgrau, wir wechseln ein bisschen Euro-Geld, bekommen es manuell in eine Lade gezählt und mit kleinen Pinguinen gestempelt. Das ist unser Startkapital. Wir kaufen uns eine Taxifahrt ins Zentrum, das Taxi fährt schnell, nein, eher rast es, Anschnallgurte gibt es nicht, aber riesengroße Pfützen, durch die das rasende Fahrzeug pflügt, durch die offenen Fenster weht feuchter Stadtwind herein, vorbei an Beton, viel Beton, aber auch Baracken, Baustellen ohne jegliche Beschilderung. Und das erste große Aufatmen, dieses Auto nicht selbst steuern zu müssen.

Das Hostal, gottseidank schon von München aus reserviert, ist mitten in Bogotas Altstadt La Candelaria, fast ganz oben am Berg, von wo aus ein steiler Felsen aufsteigt und Bogota in seine Grenzen weist. Wir sind auf 3000 Metern und wahnsinnig müde. Es ist aber erst kurz nach 21 Uhr. Im Hostal, das aus zwei kleinen überdachten Innenhöfen besteht, mit Plexiglas überspannt, läuft höllisch laut irgendein Radiosender, und der Regen prasselt auf das Dach. Unser Zimmer ist eine fensterlose knallgelb gestrichene Höhle, und wir fallen hin und schlafen sofort weg.

Unser erster Tag in Kolumbien ist verregnet und wir sind schlapp. Der Erkundungsspaziergang durch La Candelaria endet in einem kurzen Mittagsschlaf, der nach einer noch kürzeren Essenspause in den Nachtschlaf übergeht. Das Bett ist hart, das Kopfkissen genauso, es ist kalt und der Regen prasselt unermüdlich aufs Plexiglas.

 

Am nächsten Morgen sind wir um 6 Uhr hellwach und bekommen Rührei mit Milchbrötchen-Frühstück von der Hostelmamma serviert. Draußen auf der Straße fühlen wir uns schon sicherer, den richtigen Weg zu nehmen, nicht wie gestern ständig im Kreis bergab und bergan zu laufen, erkennen Gebäude und Straßenecken wieder. Die mit den Schmuckgeschäften, die Straße mit der Uni, ganz nah am Hostal, wir finden ein Kulturzentrum, jede Menge Graffiti, Stadtgeschichte und andere Wege durch die Wirrniss des Vortags.

Dann fahren wir mit einem Bus. In Bogota gibt es keine U-Bahn, sondern ein System aus kleinen Stadtbussen und dem Transmilenio, eine Art überirdischer U-Bahn, mit festen Haltestellen, einer eigenen Fahrspur und einer Art Fahrplan. Durch eine Schrank gelangt man in den von Glaswänden begrenzten Ein- und Aussteigebereich in der Mitte der Straße, der Bus fährt an den Bahnsteig heran, Türen öffnen sich und die Menschen schwemmen aus und in den Bus. Der ist voll und stickig, aber er fährt zuverlässig an den immer verstopften Fahrstreifen vorbei von einer Haltestelle zur nächsten. Wir sind sehr damit beschäftigt unsere Sachen (bei der steten Angst vor dem Beklaut werden) und uns festzuhalten und steigen im Norden von Bogota aus. Hier ist es schicker, geordneter, „posh“, wie ein junger fescher Bogotaner (oder Bogotese?) erklärt, den wir auf der Straße nach dem Weg fragen. Oder versuchen zu fragen, mit ein paar spanischen Wörtern. Satt werden wir dann, und müde und weil es wieder regnet, nehmen wir den Transmilenio zurück, und fallen mit einem Zwischenstopp beim Supermarkt in unser hartes Bett. Eine kolumbianische Casting-Sendung läuft laut und bunt (bunt kann man hören) über den Flachbildschirm direkt neben unserer Zimmertür.

Genug Regen gesehen, genug Felsen und Nebel, uns hat die Backpacker-Krankheit des immer weiter wollens gepackt, wir wollen weg aus Bogota. Und zwar richtig weg. Nicht noch nach Villa de Leyva, einem kleinen Kolonialstädchen wenige Stunden nördlich, nicht noch zum Kratersee, in dem die Legenden um das kolumbianischen Gold begraben liegen, und auch nicht zur Salzkathedrale in Zipaquira.

NÄCHSTE ETAPPE: ARMENIA/ZONA CAFETERA

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Ein Gedanke zu „Reisen in Kolumbien: über das Reisen und Bogotá

  1. Reisenews sagt:

    Reise- und UrlaubsNews…

    <b>Reisen</b> in Kolumbien: über das <b>Reisen</b> und Bogotá « stefanieundpaul…

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