Reisen in Kolumbien: über die Anden und Armenia

Ein Taxi bringt uns am frühen Morgen zum Busbahnhof von Bogotá, wir kaufen Tickets und Proviant und klemmen uns zwischen zwei Sitze in einen großen Reisebus, der uns über beide Andenkordilleren in die Zona Cafetera nach Armenia bringen soll. Wir sehen kleine Dörfer auf dem Weg, tiefe Schluchten, hohe Berge, viele Hunde, magere Kühe, Wäsche, die im Bergwind trocknet, Siedlungen mit reichen Häusern mit Swimmingpool im Garten, Raststätten-Baracken, viel Nebel, Regen und Sonne.

Viel muss über diese Berge transportiert werden. Nicht nur Busse mit Menschen, sondern vor allem auch Lebensmittel, Laster mit Früchten, Container (mit der Aufschrift Hamburg Süd), Bauschutt, Tiertransporte schlängeln sich über die kurvigen und engen Bergpässe, an deren Rand es nicht selten steil nach unten geht, nur pro forma durch Plane oder ein Seil abgetrennt vom Abgrund. Wir sehen, wie der Ausbau der Strecke voranschreitet, wie Viadukte gebaut werden, Menschen dort an Betonpfeilern schweben und die Brücke Meter für Meter vorwärts treiben. Gegen ein paar kleine Scheine wechseln acht große Tüten mit weißen T-Shirts aus dem Laderaum unseres Busses auf halber Strecke den Besitzer, der sie sogleich in sein Verkaufswägelchen am Straßenrand einsortiert. Wir werden Zeugen eines Mutter-Tocher-Abschieds-Dramas, und stehen kurz vor Armenia eine Stunde am Hang, wartend, bis die Unfallstelle vor uns geräumt ist.

Als sich nach zehn Stunden Bus die Türen im Busbahnhof von Armenia öffnen, empfängt uns fast tropische Luft, so ungewohnt warm ist es, so trocken und angenehm. wir fahren mit dem Taxi durch volle helle Straßen, voller Menschen mit kurzer Kleidung, so ganz ohne Regenschirm und in Kunststoffkleidung gehüllt, wie es in Bogota das gewohnte Bild war. Unser Hostal, wieder ein Hostal nahe einer Universität, liegt am anderen Ende der Stadt, in einem Einfamilienhaus in einer kleinen Seitenstraße. Wir werden empfangen von einem netten, kleinen, müde aussehenden Mädchen, das uns auf Englisch begrüßt und gleich mit Informationen über die Region, über Einkaufsmöglichkeiten in der Umgebung und Touren rund um Armenia versorgt.

Müde, schon wieder, schon wieder auf der Suche nach einem Restaurant, sehen wir wie auf einer Restaurantterasse Burger zubereitet werden. Die wie so viele Kolumbianer so nette Besitzerin des Restaurants hilft uns beim Verstehen der Speisekarte, versichert uns, dass alle Zutaten frisch sind, empfiehlt uns, den frisch gepressten Saft mit Milch und nicht mit Wasser gemischt zu trinken und drückt uns eine Stadtkarte von Armenia in die Hand. Ja, hier ist man wohl sehr gut aufgehoben.

Im Hostal wundern wir uns über die komische Kuhle in der Mitte des Bettes. Beim draufsetzen kracht es zusammen. Dem müden Mädchen tut das sehr leid und wir ziehen um ins Nachbarzimmer, das zwar kein Bad, aber ein Bett hat.

Am nächsten Morgen steht der Esszimmerbereich des Hostals unter Wasser, so hat es in der Nacht geregnet (uff, schon wieder), und wir frühstücken Brot mit Butter und heißem schwarzem Kaffee aus der Region. Zu dem einen Mädchen kommt ein anderes, sie sind Schwestern, beide erst Mitte zwanzig, und führen das Hostal zusammen mit einem Freund. Sie erzählen, wie sie vor einem guten Jahr das Haus gefunden haben, wie viel Spass es macht, immer wieder neue fremde Menschen zu treffen, auch wenn kaum jemand in Armenia übernachten will, der Anziehungspunkt aller Touristen im Department Quindio sei schließlich das kleine Städchen Salento, eine Stunde nördlich von Armenia. Auch wir wollen an diesem Tag noch nach Salento, nehmen aber erst einmal einen der kleinen roten Stadtbusse ins Zentrum von Armenia, halten unsere Taschen fest, und finden einen Balkon mit Mittagsmenü. Die erste Suppe aus Kochbananen mit Kartoffeln dieses Urlaubs, der sich schon so gewohnt anfühlende Maisfladen, und eines dieser Hühnerbeine, die man immer nur auf Tellern, nie am laufenden Huhn sieht.

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