Reisen in Kolumbien: Salento / Zona Cafetera

Salento

Im Buseta nach Salento sind wir selig, als wären wir auf dem Weg ins Paradies. Was wir da noch nicht wußten: wir sind es tatsächlich.

Wir sitzen in unserem Hostal-Zimmer, das mit den zwei Fenstern am Eck, mit direktem Blick auf das kleine Dorfkrankenhaus, und können nichts als schauen und hören. Mit dem Kinn auf dem Fenstersims, sehen wir die so grünen Hügel, die Dächer der anderen Häuser, Oberleitungen. Wir hören Hundegebell, die Hufe von Pferden auf den Straßen von Salento, Kinder, die Lachen und immer wieder mit ihren kleinen Füßen die ansteigende Straße auf- und ablaufen.

Beim ersten Stadterkundungsspaziergang sind wir erstaunt, wie früh am Nachmittag es noch ist, der Tag war schon so voll mit dem Frühstück mit den Hostal-Schwestern in Armenia, dem Getose in Armenias Innenstadt, der Wärme dort in den Straßen, diese selige Busfahrt und dann das Ankommen, das so ein gutes Gefühl verursacht hat. Dann finden wir Alegra. Also wir finden sie erst nicht, laufen der Legende auf dem Faltblatt nach, das wir bei der Ankunft im Hostal bekommen haben, und sind dann doch da. Alegra Gourmet, das beste Essen der Reise bisher. Draußen unter dem Vordach, unter dem wir sitzen, spricht uns ein schnauzbärtiger Herr an. Er spricht Französisch. Er erzählt vom Ausstieg aus seinem Job als Informatiker in Lausanne und seinem Umzug in die Region Quindio vor ein paar Jahren. Er erzählt von seiner kleinen Kaffeefarm im Nachbarort von Salento, von seiner Farmer-Philosophie und kurze Zeit später haben wir nicht nur Alegras fabelhaften matschigen Schokokuchen sondern auch eine Tasse Espresso aus Bohnen des Lausanners vor uns stehen.

Die nächsten Tage stehen wir bis zu den Knien im Schlamm, gehen an unsere Städter-Grenzen, sprechen mit einem alten Mann, den wir nicht verstehen und tun etwas zum allerersten Mal.

In Salento wacht man früh auf. Draußen auf der Straße klappern Pferdehufe und Autoabgase kommen durchs glaslose Fenster, das nur durch Läden geschlossen wird, herein. Um sechs Uhr kann der Tag beginnen, für uns mit Arepas (gebratene Maisfladen) mit Butter und Käse, und Kakao von der Frau, die gegenüber von unserem Zimmerfenster vor ihrem Haus die Arepas auf ihrem Grill brät (kocht? grillt?). Wir kämpfen uns Arepa-voll nach dem Sonntagsgottesdienst in der Dorfkirche auf den Mirador von Salento, ein wahrer Kreuzweg, viele Stufen hoch, und werden dort oben, immer den Rio Quindio, den wir später noch so vermissen werden, von einem wieder schnauzbärtigen Herren angesprochen. Diesmal ists kein französischer Schweizer, sondern ein in Florida lebender Nordkolumbianer. Er empfiehlt uns für unseren geplanten Luxus-Wellness-Stop eine Finca in der Nähe von Armenia. Dort werden wir eine der nächsten Nächte verbringen. Mit geschnürten Geh-Schuhen weht der Staub hinter uns den Weg zu Don Elias‘ Kaffeeplantage, und als wir nach einer Stunde über Salentos Forstwege dort ankommen, sitzt er schon da, auf seiner Veranda, als hätte er auf nichts anderes als auf uns gewartet. Wir sind Touristen Nummer 7 und 8 des Tages. Er zeigt uns seine Kaffepflanzungen, und die Ananasse, die Bananen, erklärt uns, wie man die verschiedenen Kaffeesorten unterscheidet, wie geernet, geschält, gewaschen und getrocknet wird. Und am Ende mahlt er eine Handvoll der frisch gerösteten Bohnen und brüht sie auf.

Der Rückweg nach Salento ist ein Dauer-Anstieg, es ist warm und staubig und wir haben 250 g mehr im Gepäck – Kaffeebohnen.

Am Abend verschlägt es uns wieder zu Alegra – für den Schokokuchen. Und früh ins Bett, schon mit Vorfreude auf das frühe Aufwachen am nächsten Morgen. Tage in Salento sind toll! Und die Nächte ruhig.

Auf- und Abstieg

Um sieben Uhr stehen wir dann in Gummistiefeln auf dem großen Platz, mit Frühstücks-Empanadas und frisch gepresstem Fruchtsaft. Die Jeeps ins Tal stehen bereit, wir starten zu einer Tageswanderung durch den Dschungel oberhalb des Rio Quindio. Es ist zwar noch früh, aber wir sind schon durchgeschwitzt, es ist dampfig, die Sonne brennt in das Tal (aber erst zwei Wochen später wissen wir, was brennende Sonne wirklich ist), durch das wir laufen und teilweise bis zu den Knöcheln im Matsch stehen. Gottseidank hat es in den letzten Tagen nicht so viel geregnet, sonst wäre dieser Weg ein Sturzbach. Da wollen wir hoch, auf den Berg vor uns, und am Ende der Wanderung die ewig hohen Wachspalmen sehen, das Wahrzeichen Kolumbiens.

Der Weg ist nicht einfach, im Hostal-Flyer steht etwas von „kein Spaziergang“, aber auch nicht „besonders herausfordernd“, wir kämpfen uns hoch, machen Zwischenstation in einem Naturreservat, wo wir Kakao bekommen und von Kolibris umschwirrt werden. Wir kriechen durch Unterholz, können manche Wege nur erahnen, rutschen durch den Matsch und überqueren den immer an unserer Seite rauschenden Rio Quindio mehrere Male auf kleinen Holzbrücken, oft nur über den Fluss gelegte Stämme. Als wir oben ankommen, hängt dicker Nebel im Tal, wir sehen keine zweihundert Meter, es regnet und wir haben den Eindruck, schon lange nicht mehr so einen stabilen Kreislauf und so gut funktionierende Lungen gehabt zu haben. Bergab gehts auf einem langweiligen Forstweg, immer wieder mit Ausblicken ins Tal durch die Baumwipfel und schließlich vorbei an den himmelhohen, schlanken Wachspalmen. Wir quetschen noch zwei Erinnerungsphotos aus dem Kameraakku und sind froh, wieder im Jeep zurück nach Salento zu sitzen. Das war anstrengend, aber auch sehr toll. Genauso wie die Dusche zu Hause und das Abendessen bei Alegra. Und der Restabend in der Hängematte im Hostal, mit Zule und Martin, dem jungen kolumbianischen Ehepaar, das das Hostal mit Engelsgeduld und so einer Liebenswürdigkeit führt, dass wir uns in unserer Hängematte gleich wie zu Hause fühlten.

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