Reisen in Kolumbien: Auf dem Pferderücken und Fußball

Der erste Ritt

Am nächsten Morgen holt uns der örtliche Pferdefarmer Don Alvaro mit gesattelten Pferdedamen vom Hostal ab und wir steigen beide zum ersten Mal in unserem Leben auf einen Pferderücken. Er zeigt uns, wie man lenkt, bremst und Gas gibt und schon ist er weg, und wir nichts wie hinterher, auf unseren schwankenden Unterbauten. Noch zwei Engländer an einem anderen Hostal aufgesammelt, aufgestiegen und los. Zuerst durch eine enge schlammige Schlucht bergab, dann über eine Brücke über den Rio Quindio und wieder einen Stolpersteinweg bergauf. In eine grüne, saftige, hügelige Landschaft, über enge Wege am Berghang, über weite Wiesen, durch matschige Felder, durch Gatter und Tunnel, durch die eine vor 80 Jahren geplante und wegen politischer Gründe nicht verwirklichte Eisenbahnstrecke führen sollte. So wie alles in Salento ist auch der Pferderücken nach kurzer Zeit so vertraut, dass wir mit immer mehr Spaß, immer freier, schneller und entspannter da oben saßen, als wäre das das Normalste der Welt. Am Vorabend sagte Martin auf unsere Anmerkung, dass wir nicht reiten könnten noch „doch, das könnt ihr“. Und ja, wir können es. Und kommen vermatscht, verschwitzt, zerzaust und mit patschnassen Schuhen wieder im Hostal an.

Und auch sehr froh. Und in Eile.

Denn: Ein Champions League Viertelfinale wird am deutschen Abend ausgestrahlt, und ist bei uns schon mittags. Genauer gesagt genau jetzt. Schnell den Schmodder aus den Hosenbeinen waschen und in die Bierkneipe von Salento, da wo sich die Jungs Sonntag vormittags noch an ihrem Tisch, vollgestellt mit leeren Bierflaschen, auf den Nachhauseweg vorbereiten. Oder gleich bleiben bis zum Abend. Deeps und Ralph, die beiden Engländer vom Pferd, sitzen schon vor dem Fernseher, der an der Wand hinter dem Billardtisch hängt, und wir werden auf unsere Worte „Somos de Alemania“ mit Jubelschreien begrüßt. Es spielen die Bayern gegen Chelsea, und auch das englische Paar sind Bayern-Bejubler. Als dann ganz kurz vor Schluss das Siegestor für die Bayern fällt, springt die ganze Kneipe auf, leere Flaschen und Tische fliegen auf den Boden, und wir gehen nach Hause, duschen. Und ruhen. Aufregung.

Abends dann eine große feine Mahlzeit, ein riesengroßes zähes Steak (Alegra hat Ruhetag), und dazu mehrere Flaschen Wein, der obwohl weitgereist nicht schlecht schmeckt oder ists unsere Cowboy-Euphorie, die uns das so schmecken lässt. Zwei Engländer, ein Österreicher und eine Münchnerin gehen aus. Es gibt Mojito mit nichts, Mojito mit Maracuja, Mojito mit Mango, Mojito mit Kaffee und dann treffen wir den Pferdemann auf dem Marktplatz und es gibt Bier. Mitternacht wummert es durch Salento. Musik! und Trappeltrappel. Die Dorfjugend kehrt zurück, sie waren ausreiten. Mit Lautsprechern in den Satteltaschen, mit lauten Getöse kehren sie zurück, bestimmt 30 Mann mit Pferd, sie zeigen auf dem Marktplatz kleine Dressurkunststücke, vor sich und vor den anderen, und Don Alvaro, unser Pferdemann, nimmt seine drei Gäule in Empfang und galoppiert mit ihnen davon. Der Papa holt seine Kinder von der Disco ab. Jetzt bringt er sie nach Hause.

Abschied. Adios Salento, noch ein letzter Mangosaft, noch ein letztes Rührei in der Küche, wo man beim Abspülen aus dem Fenster sehen kann, eine Busfahrt, ein bisschen Herumstehen, ein Privattaxi und eine neue Ankunft. Auf der Finca mit dem Swimmingpool im Garten.

Advertisements
Getaggt mit , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: