Reisen in Kolumbien: Die Kaffeefinca

Ein kleines Tränchen floß, als wir uns mit dem Bus von Salento hinunter zum Rio Quindio schraubten, ach Rio Quindio, wie habe ich dich lieb gewonnen in den letzten Tagen. Wir waren auf dem Weg zum Busbahnhof in Armenia, mit der Mission, Flugtickets an die Karibikküste zu kaufen und dann irgendwie zur Finca Combia zu gelangen, dem Ort, der den Luxus-Teil des Urlaubs erfüllen sollte.

Am Busbahnhof gerieten wir wohl gleich an den richtigen Herren, denn der erste, den wir nach einem Reisebüro fragten, nahm uns mit, in sein kleines Zimmerchen, in das gerade so ein Schreibtisch passte, und buchte für uns fernmündlich (mit seiner Frau, die zu Hause am Computer saß) unsere Flüge nach Santa Marta. Ja, das hätten wir schon auch selbst gekonnt, hätte diese kolumbianische Fluggesellschaft-Seite kein Problem mit unseren Kreditkarten gehabt. So hielten wir nach ein bisschen mehr Hin und Her als man bei einer Flugbuchung erwartet unsere Tickets in der Hand und wurden vom netten Reisebüro-mit-einem-Schreibtisch-Herrn zu unserer Finca kutschiert, natürlich billiger als das Taxi gewesen wäre und ja sowieso selbstverständlich, weil man kennt sich ja und fährt da sowieso hin und lalala. Er rief dann auch noch ungefähr jeden zweiten Tag an und kümmerte sich ein bisschen um uns gar nicht so verlorene deutsche Menschen.

So, und da waren wir dann. Eine riesige Anlage, mit Swimmingpool, der tut als würde er am Ende im Nichts enden, mit Wasserfontänen, Menschen, die mit Gartengeräten herumfuhrwerken, langen Wasserschläuchen, die den Pflanzen beim nicht Verdursten helfen, hübsche Stühle und Tischchen unter hübschen Bäumchen, Papageien in der Luft und überall Hemden mit steifem Kragen, die sich um unser Wohl sorgten. Unser erstes Anliegen war ein laufender Fernseher mit einem der Champions League-Spiele, ein gemütlicher Stuhl dazu, ein Kaffee und eines dieser Schoko-irgendwas-Mousse-Törtchen, die umgerechnet sieben Euro kosteten. Aber wie gesagt: der Luxusaufenthalt sollte hier stattfinden. Hier und nirgend anderswo. Also hingen wir da, auf der Veranda, mit Blick ins endlose Tal, in Hängematte und Sessel und dann wieder Hängematte und dann Sofa, stellten fest, dass der kleine Computer mal wieder keinen Strom aufnehmen wollte, und starrten auf die Riesenglotze, die da so an der Wand hing. Danach lagen wir in Hängematte und Liegestuhl, im Poolwasser, das am Rand doch eine Grenze hatte, in der Hängematte und dann wieder im Liegestuhl, bis es kälter war und dunkel und man uns bestimmt sagte, dass sofort um 19 Uhr Abendessen bestellt werden sollte, denn man erwarte eine Gruppe Schülerinnen aus Bogotá, die dann auch noch versorgt werden müssten. Zu diesem Zwecke landeten eine große Ladung Schnitzelteile auf dem Grill und verdörrten sogleich zu pappdeckelähnlichen Klumpen. Blöderweise (unbewußt) war bei meinem Gericht auch eines dieser Klumpen dabei, aber mit einer sehr feinen Soße aus viel Bratenfett und Sättigungsbeilage. Da war ich noch nicht fertig mit dem Essen, da nahm man dem Mann schon den Teller weg und hastenichtgesehen stand man schon wieder und war fertig. Hups. Schnell ging das. Und ja, sie sind sehr freundlich. Und bestimmt.

Wir hatten schon gehört, es gäbe Sauna, und so ein heißes sprudelndes Becken neben dem Pool. Wir beantragten eine Anheizung und vertrieben uns die Zeit bis dahin auf Liegestuhl und Hängematte. Also man kann nicht sagen, wir hätten uns nicht entspannt. Die Sauna war dann leider ein bisschen kalt, und auch sehr eng und ungemütlich. Der Sprudeltopf dafür sehr viel besser, in der heißen Brühe unter dem Sternenhimmel, nur wir und die Mücken und…

… eine Horde pubertärer Mädchen aus Bogotá, die nach ihren Schnitzelchenklumpen auch in das Plantschewasser wollten und zack da saßen sie. Und uuuuuh ist das heiß und uuuuh ist das kalt und hey, woher kommt ihr? Aaah, Deutschland, ja, toll! Wir sind Oberschichtenschülerinnen aus Bogotá und hey, das ist so coool hier das uuuh ist das heiß, das Wasser. Ja. Duschen, Hängematte, Bett. Mittlerweile prasselte der schönste tropische Schauer auf unser Bambusbedecktes Dach, wir lagen da zwischen den beiden Lampen, die gelbe Flecken an die Wand malten, und lauschten dem Wasserschwall. Und fühlten uns dabei ein bisschen wie vor drei Jahren in diesen Motels entlang der amerikanischen Highways, denn drunten im schönen Tal raste der Verkehr über die einzige große Straße der Gegend.

Der nächste Morgen begann mit einem Frühstück dort neben dem Grill und einer Verabredung mit dem Agrarchef der Finca. Mit vierzig Hektar um einiges größer als die von Don Elias, den wir in Salento besucht hatte, ist sie dennoch nur mittelgroß im Vergleich zu anderen Kaffeefincas in Kolumbien. Wir machten einen Spaziergang durch die Kaffeeplantagen, lernten von Ungeziefer und Mitteln dagegen, lernten wie der Kaffee gepflückt wird und was dann mit ihm passiert.


(Kaffeebohnen frisch gepflügt, in Feldarbeiterhänden // fertig getrocknete Kaffeebohnen, wie sie nicht in den Export kommen sondern im Inland verkauft werden, in Schreibtischtäterhänden)

Diese Führung war sehr toll und so sehr am Boden im Gegensatz zu der gastwirtschaftlichen Freundlichkeit auf der Terrasse, die uns schon fast zu viel war, und wir beschlossen uns richtig entschieden zu haben. Denn dieser Tag war ein weiterer Reisetag, wir verließen die Finca nach einem schnellen Mittagessen und der höchsten Rechnung (für eine Nacht) des ganzen Urlaubs und machten uns auf den Weg weiter nach Norden. Manizales war das nächste Ziel, die Stadt auf den sieben Hügeln hinter den sieben Bergen.

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