Reisen in Kolumbien: Manizales

Manizales

In Manizales ist nichts eben. Die Stadt steht auf Hügeln und noch mehr Hügeln, und unser Hostel liegt an einer sehr schrägen Straße. Wir laufen rum, bergauf und bergab, es ist Donnerstag Abend und die Hölle los auf der Straße. Aus jeder der offenen Fassaden wummert laute Musik, viele junge Menschen sitzen auf und an der STraße, Verkehr braust, auf dem Platz vor dem Gebäude der Uni (einer der Unis, hier ist eine neben der anderen) geht es zu wie bei einem Festival vor der Hauptbühne (naja, Nebenbühne zehn Minuten vor dem Konzert). Da Manizales nicht gerade sehr wegsames Gelände ist, schon garnicht zum Transport schwerer Dinge, gab es in der Stadt ein großes Seilbahnnetz, um Menschen und Güter hin und her zu bewegen. Eine der ehemaligen Seilbahnstationen, ein schwedisches Holzhaus, niedrig und sehr hübsch, ist eben diese Uni, irgendwas mit Kunst, denn viele der Menschen dort auf dem Platz haben große Mappen oder irgendwelche Modelle dabei. Wir haben nur Hunger, finden was, und sind aber so müde und überrollt von den Tagen zuvor und diesem Getöse dort auf der Straße, dass wir schneller zzzzZZZ als gewollt. Gute Nacht.

Freitags scheint die Sonne ins Zimmer, im Halbschlaf kommt der Gedanke, jetzt rausgehen zu müssen, denn der Reiseführer weiß, dass es in Manizales eigentlich nie klare Sicht hat. Außer jetzt. Aber jetzt liegen wir und nein, wir können nicht aufstehen. Wir können später aufstehen, langsam frühstücken, den Bus finden, der über die Hügel ans andere Ende der Stadt fährt, wo ein Aussichtspunkt sein soll. Den finden wir auch, den Punkt, aber die Aussicht ist verloren gegangen. Man sieht bis zur anderen Straßenseite, deswegen machen wir Fotos von unserer Straßenseite, einem Ufo, was auf der Kreuzung steht, schauen ein bisschen dahin, wo das Tal mit den Wäldern sein könnte, und machen uns in der Innenstadt auf die Suche nach einem neuen Netzteil für unseren kleinen Computer. Der lädt nicht mehr und das ist schlecht für Reisetagebuchschreibeifrige.

Auch tagsüber tost es und hupt und es ist keine laute Musik, aber dafür Geschrei und menschliches Getöse, das aus den Fassaden dringt. Nach „Verhandeln“, gehen, weitersuchen, wiederkommen, kaufen und dann keine Lust auf die Stadt mehr haben stehen wir vor einer – so wenig naheliegend ists ja nicht in der Stadt der tausend Seilbahnpfeiler – Seilbahnstation. Aber nicht so einer, wie da am Vorabend, wo die Kunststudenten stehen, nein, sondern eine echte. Eine Moderne aus Beton und Glas. Bei der Ankunft in Manizales haben wir schon Gondeln schweben sehen, und hier ist es, wo sie abfahren. Sowieso nicht so genau wissend, wie der Tag verlaufen soll, steigen wir da mal ein. Die Linie hat drei Stationen, die des Einstiegs, eine Mittelstation und das Ende am Busbahnhof. Wir wollen runter, umdrehen und wieder rauf. Unmittelbar nach der Mittelstation fängt es an zu schütten, wie aus heiterem Himmel. Also so heiter, wie der Himmel eben war, dort im Nebelkrater. Wir findens noch ganz lustig, wie der Regen so auf die Gondel prasselt, bis es blitzt, laut knallt und dann: Stillstand. Das ist ein blitzschnelles ausgewachsenes Gewitter, und aus den Lautsprechern der Gondel spricht der Blitzgott zu uns. Wir verstehen das Spanisch nicht und es schaukelt und blitzt und prasselt und knallt und schwankt und mir wird schlecht und sehr bang. Frei schwebend im Unwetter, das nie wieder enden wird.

Der restliche Tag brachte einen Mittagsschlaf, der bis zum Dunkelwerden dauerte, und dann das beste flüssige Schokoladengetränk der Welt. Aber nicht vergleichbar mit Alegra in Salento! Keineswegs!

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