Reisen in Kolumbien: Taganga und Tayrona Nationalpark

Taganga

Als wir in Santa Marta aus dem Flughafengebäude kommen, schlägt uns ein Hitzebrett entgegen. Es ist heiß, heiß, heiß und feucht. Hier ist die Landschaft nicht mehr grellgrün, sondern karg und bräunlich, ausgetrocknet und flimmernd. Wir teilen uns ein Taxi mit Charles aus Paris und Paul aus Toronto, die mit demselben Flugzeug wie wir aus Medellin kamen, und haben es wieder eilig, dann das Halbfinale Bayern-Real hat schon begonnen. In Taganga, einem kleinen Fischerort ein paar Kilometer neben Santa Marta, landen wir im Hostal Casa de Felipe, einer Anlage am Ende der Straße, mit Bäumen, Terrassen, Hängematten, einer großen offenen Küche und dem Fernsehraum, in dem vor der riesigen flachen Glotze schon matte Backpacker liegen. Wir schwitzen, trinken, schwitzen und finden, mal wieder gute Arbeit geleistet zu haben bei der Wahl der Unterkunft. Das Hostal wird von einem Franzosen geführt, und ein französischer Koch kocht mittags und abends eine kleine Auswahl an Gerichten, die wir jeden Tag und Abend in Taganga genießen. Wir sind mittlerweile sehr wählerisch, was das Essen anbelangt, schlemmen und haben Ansprüche. Die hier anstandslos erfüllt werden. Königliches speisen, mit kleiner Suppe vor dem Hauptgang, einem frischen Fruchtsaft und ein kaltes Bier, und der Hoffnung, dass ab und zu eine Windbrise vorbeikommt und den Schweiß, der ständig fließt, hier, wo es nachts kaum unter dreißig Grad hat und die Luftfeuchtigkeit bei 70% liegt, kurzzeitig trocknet. Völlig erschlagen von der Hitze verschlafe ich den Abend und den nächsten Tag verbringen wir im Garten bzw. dem Sitzbereich des Restaurants, immer nach Baumschatten suchend, zwischen Liegestuhl und Hängematte.

Tayrona Nationalpark

Charles, Paul, wir zwei und ein Hawaianer, Douglas, treffen sich am nächsten Morgen zu einem Ausflug. Wir haben Badesachen dabei, Wanderschuhe, jede Menge von diesem Trinkwasser in Plastiktüten, Sonnencreme und gehen zum Hafen. Ein rasendes Boot, das teilweise mehr über die Wellen fliegt als sie durchpflügt, bringt uns die Küste des Tayrona-Nationalparks entlang an einen Sandstrand mit Palmen und Postkarten-Kostüm. Hier im Park kann man in Hängematten übernachten, wandern, unter Palmen wandeln, schnorcheln und vor allem: faul sein. Es ist viel zu heiß und schwül, um sich zu bewegen, wir verbringen den Tag, salzig und sandig, immer mit einem Brennen auf Haut und in den Augen, dort am Ufer, und die Nacht in unseren Hängematten, mehr wach als schlafend, denn die Mosquitos rauben uns die Ruhe.

Ich wache nach einem kurzen sehr tiefen Frühmorgensschlaf von lautem Hahnengeschrei auf. Das Mistvieh scharrt unter meiner Hängematte und plärrt. Mein Gesicht ist ein Streuselkuchen, aber nicht von Stechtieren, sondern von den Flöhen, die scheinbar in der Matte wohnen. Mieses Erwachen. Und diese Hitze. Alles ist salzig, der Sand knirscht und wir kleben und beschließen, nicht noch eine Nacht zu bleiben. Von der Hitze träge, liegen wir den halben Tag im Schatten, möglichst bewegungslos, den jedes kleine Rühren treibt den Schweiß noch mehr aus den Poren. Das Wasser in den Plastikschläuchen hat mittlerweile fast Lufttemperatur.

Wir treten den Heimweg an, gute zwei Stunden durch den Wald, über weiche Sandstrände, die zwar wunderschön, aber fast unmöglich zu begehen sind, jeder Schritt fühlt sich an wie einer vorwärts und gleichzeitig drei rückwärts, die Sonne brennt vom Himmel. Ach, wir Städter. Am Ende des Weges müssen wir über einen kleinen Berg, schleppen uns da hoch, und kommen an dem Ort an, an dem der Shuttlebus zum Parkausgang fährt. Wenn er führe. Uns wird ein privater Transport versprochen, daher kommt eine Schrottlaube, bei der die Türen von innen zugehalten werden müssen, weil sie von selbst nicht mehr schließen. Der Fahrer weigert sich loszufahren, bevor er zwei weitere Mitfahrer gefunden hat, wir warten, wollen da alles hier nicht, und steigen nach 90 Minuten in den öffentlichen Bus, der dann auch endlich voll ist und abfahren kann. Es ist schon längst dunkel, als wir wieder im Casa de Felipe ankommen. Zivilisation. Dusche. Gutes Essen. Sonnenbrand und Mosquitobiss-Cremen. Ach, wir Städter-Touristen. Aber das ist ein Urlaub, kein Überwindungscamp. Wir genehmigen uns einen weiteren Tag Faulsein im Hostel, am Abend kommen Charles, Paul und Douglas aus dem Park zurück, die die zweite Nacht in Hängematten verbracht haben, die im Wind hingen und somit so gut wie Moskitofrei waren. Wir feiern die glückliche Rückkehr aller aus dem Dschungel, erzählen uns von weiten, sandigen, heißen Stränden, dem wilden Meer, das gegen die Felsen am Ufer donnert, den kleinen blauen Krabben, die den Park untertunneln und essen dazu unser Filet Mignon, französisch. Wir beschließen, am nächsten Morgen gemeinsam nach Cartagena weiterzufahren.

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Ein Gedanke zu „Reisen in Kolumbien: Taganga und Tayrona Nationalpark

  1. Nadine sagt:

    Schöner Reisebericht!

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