ECM im Haus der Kunst

ecm

Gestern nachmittag war ich noch schnell im Haus der Kunst. Ich würde gerne öfter in Ausstellungen gehen, aber oft ist keine Zeit für ganznachmittäglichen Müßiggang, oder ich möchte lieber herumliegen und nichts denken und aufnehmen müssen. Eigentlich blöd, wer weiß wie viele großartige Ausstellungen ich durch diese „Taktik“ schon verpasst habe? Jede Menge!

Weil diese Woche eine der nicht ganz so vollgestopften Wochen ist, war ich gestern also im Museum. Die Ausstellung „ECM“ geht nur noch bis Sonntag, und diese Finissage-Termine geben oft dem inneren Schweinehund einen kleinen Tritt. Gott sei Dank, denn diese Ausstellung ist so empfehlenswert, dass ihr Münchner oder ihr, die ihr am Wochenende in München seid dort hingehen solltet.

Die Plattenfirma „ECM“ wurde 1969 in München als Musiklabel für Jazz und improvisierte Musik gegründet. Nur der Musik und den Musikern verpflichtet arbeitet ECM seit seiner Gründung abseits von Trends und Moden. So entstanden herausragende Musikproduktionen von höchster Qualität.

Die Ausstellung zeigt jede Menge Videos, Klangbeispiele, (Studio)Fotos und Plattencover. So sieht man auf großer Leinwand Keith Jarrett sein „Köln Concert“ spielen, unter Klangduschen stehend hört man mit Blick auf eine Regalwand voller ECM-Bänder Klaviermusik.

Stundenlang kann man sich in den Räumen der Ausstellung aufhalten, teilweise einstündige Dokumentationen im Original sehen, in klanglich perfekten Räumen sich von Musik umschwemmen lassen, richtig darin Baden, und dann wieder ein paar dokumentarische Fotos aus den Aufnahmestudios ansehen.

Am längsten aufgehalten habe ich mich in Raum 4, wo Meredith Monks „Ellis Island“ (1981) an die Wand projeziert wurde. Dieser 28 Minuten lange Film zeigt tänzerisch den Weg der Einwanderer bei ihrer Ankunft auf Ellis Island. Das ist großartig. Unter der mitten im Raum hängenden Sounddusche war ich wie gebannt von diesen Bildern aus den Gebäuden auf Ellis Island, zur Drehzeit allesamt verfallen, staubig und eigentlich unwirtlich, aber durch Bewegung und Klang ästhetisch belebt. Dieser Film ist absolut sehenswert und in der Ausstellung nicht nur optisch, sondern auch akustisch ein Genuss. Auch wenn ich mir böse Blicke anderer Ausstellungsbesucher zugezogen habe, die sicher gerne auch einmal unter dem Klang-Regenschirm gestanden wären. Aber nein. Das war für 28 Minuten mein Platz.

Im letzten Raum vor dem Ausgang dann kann man in drei kleinen Kabinen die drei eigens für die Ausstellung zusammengestellten Sampler hören. Diese Kabinen sind akustisch so gut, dass die Musik den Besucher verschluckt. Ein tolles Gefühl, gerade für Klang-Fans wie mich.

Also: Rafft euch auf am Wochenende, geht da hin, diese Ausstellung ist ein Genuss für alle Sinne. Und nehmt euch Zeit. Vier Stunden, es lohnt sich.

Haus der Kunst
Prinzregentenstr. 1
80538 München
MO-SO 10-20 Uhr

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